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Russische Mathematiker versuchen sich am Voynich-Manuskript


26. April 2017

Gerade wird im Mediennetz verbreitet, dass russische Mathematiker den Code des Voynich-Manuskripts geknackt haben wollen.

Das Ergebnis der mathematischen Untersuchung lautet, dass 60% des Textes aus Deutsch und Englisch bestehen sollen und die verbleibenden 40% seien in Italienisch oder Spanisch oder Latein geschrieben.

Ferner wird als Beispiel ausgeführt, dass aus einem kyrillischen Klartext die Vokale entfernt werden und daraus ein „Konsonantentext“ erhalten wird. Dann wird in einer zweiten Sprache, hier Englisch, der Klartext auch übersetzt und nun werden auch hier die Vokale entfernt. Im nächsten Schritt wird der kyrillische Konsonantentext ins Lateinische transferiert und diesem der englische Konsonantentext angehängt. Schließlich wird diese Zeichenfolge in Worte zerlegt.

Dieses Verfahren soll der Code sein?

Wo ist ein Ergebnis eines „übersetzen“ Voynichtextes?

Ein Gemisch aus mehreren Sprachen ist absolut unsinnig und zeigt wiederholt eine 08/15-Logik auf. Wie ich auf meiner Webseite zeige, reicht eine Sprache vollständig aus, um den Voynichtext zu übersetzen und wie wollte man mit solch einem Ansatz die anderen Verfahren wie „darunter liegende Seiten“ und „spiegelverkehrte Seiten“ übersetzen?

Als Hauptsprache werden Deutsch und Englisch angenommen. Welcher Dialekt des Mittelalters kommt denn hier in Betracht?

Bis ins 18. Jahrhundert, vor Einführung der Grammatik, die aus dem Lateinischen entwickelt wurde, gab es im deutschsprachigen Raum bis zu 500 verschiedene Dialekte.

Wer kann heute noch Mittel- oder Althochdeutsch? Hinzu kommt die Bedeutungsverschiebung, wie auch die Lautverschiebung über Jahrhunderte. Für England dürfte sich im Mittalter ein ähnliches Bild zeichnen lassen. Und wenn Latein gefunden wurde, müsste sich Französisch finden lassen, da im Mittelalter noch eine sehr starke Vermischung von Vulgärlatein mit Altfranzösisch vorhanden war. An welcher Stelle fließen diese Überlegungen bei dieser mathematischen Betrachtung ein? Fließen sie überhaupt ein?

Dieser Ansatz weist keine logische Struktur auf, ist somit hochgradig fehleranfällig und anscheinend ist nur über den heutigen Sprachwortschatz analysiert worden. Wie will man mit diesem Ansatz sämtliche anderen Rätsel im Manuskript lösen und die mehr als 100 Sonderzeichen erklären (entziffern)?

Bei einer statistischen Erhebung der Häufigkeit der einzelnen Voynich-Glyphen - nur hier macht Statistik Sinn – stellt sich dann doch die Frage, wie diese nach obigem Verfahren abbildbar sein sollen und nach welchen Kriterien werden die Voynich-Glyphen dem Alphabet zugeordnet?

Das diese Grundüberlegungen keinen Eingang in ihre Arbeit gefunden haben zeigen 2 Aussagen aus ihrer Arbeit:

"The Voynich manuscript (VM [3]) – is a hand-written codex, dating from the XVI c. It consists of over 170,000 characters referred to as letters, which are united by transcriptioners in 22 distinct characters."

"There is no consensus how many characters VM is consists of. We will consider two transcriptions of VM: “European transcription” (EVA [7]) and transcription Takahashi [8]. Both of them translate manuscript symbols into Latin alphabet, but with different frequencies of symbols. (the fact is we can not interpret many of caracters in MV uniquely). An any case we will not discuss a correctness of these transcriptions."

Da die EVA-, wie auch die Takahashi-Transkription bisher keine Übersetzung des Voynich-Manuskripts liefern konnten und die Zuordnung der Voynich-Glyphen zum Alphabet willkürlich erscheint, ist es sehr fraglich, ob diese Transkription korrekt ist? Somit ist auch eine Studie, die auf solch einem wackligen Fundament steht, als sehr fragwürdig zu erachten, wie man es auch am Ende obiger Zitate selbst zugegeben hat.

Diese Studie ist damit vollständig zu verwerfen.

Zum Nachlesen: http://bit.ly/2pvpaLu http://bit.ly/2oSDoC7