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Offener Brief an die P.M.-Redaktion, 22.08.2015

Kommentar zum Bericht: Kein Mensch weiß, was dieser Text bedeutet, oder doch?

erschienen in der Ausgabe 09/2015


Sehr geehrte Redaktion des P.M.-Magazins,

schade, dass Sie es unversucht gelassen haben, im Internet etwas genauer zu recherchieren und nur selbsternannte Experten zitieren. Ein Schreiben meinerseits, aus dem letzten Jahr, haben sie dagegen nicht zur Kenntnis genommen.

In Ihrem Artikel über das Voynich Manuskript erklären Sie nichts Neues, was nicht jedem, der sich mit dem Voynich Manuskript intensiver auseinandersetzt, nicht auch bekannt wäre.

Herr Prof. Bax wird auch noch weitere ergebnislose Nächte und Jahre hinter sich bringen, wie viele seiner Leidensgenossen zuvor, da er mit seinem Übersetzungsansatz den gleichen Regeln folgt, wie die meisten Übersetzungsansätze, die bisher versucht wurden. Wie auf seiner Webseite zu verfolgen ist, ist er jetzt in die Richtung von EVA (European Voynich Alphabet) geschwenkt und hat sich, wie in ihrem Artikel zitiert, immerhin von seinem ursprünglichen Ansatz, einer Mischung von mehreren semitischen Sprachen, distanziert.

Ich hatte Herrn Prof. Bax bereits im Jahr 2014 erklärt, dass das Manuskript in Latein verfasst wurde und es unsinnig erscheint, ein Konglomerat aus mehreren Sprachen zu verwenden, um solch ein Werk zu produzieren. Und im Gegensatz zu ihm habe ich schon viele Seiten vollständig übersetzt und verfüge über ein Portfolio aus tausenden von Vokabeln. Die lateinische Sprache als Grundlage der Übersetzung versucht er zu negieren, war aber sofort daran interessiert, Voynich transkribiert in Latein von mir zu erhalten.

Es werden statistische Erhebungen durchgeführt, die nach Schinner, zumindest darlegen, dass eine Sprache im Hintergrund liegen könnte und es wird jetzt, ihrem Artikel folgend, darüber diskutiert, ob man sich an statistischen Erhebungen entlang bewegt oder nicht.

Sie bemühen einen Herrn Schmeh als Experten, der bisher kein einziges Wort übersetzt hat, öffentlich im Fernsehen verkündete, dass er sich nicht an der Übersetzung versuchen will und im Endeffekt in seinen bisher geschrieben Büchern nur bekanntes Wissen Anderer neu verpackt präsentiert. Auch als Schreiberling von Focus versucht er hartnäckig, den Mythos der Unlösbarkeit des Voynich-Manuskripts aufrecht zu erhalten. Seinem Wortlaut folgend, ist es eher ironisch anmutend, dass er einen „Mönchsabweichler“ als Verfasser sieht, da ihm als „Unwissender“ anscheinend nichts Besseres einfiel. Ein hochspekulativer und dummer Ansatz.

Und Herr Gordon Rugg wird mal wieder mit seiner Theorie aus der Kiste geholt, der das Voynich Manuskript nur als einen Hoax ansieht. Mit seinem 08/15-Ansatz und der dabei umgesetzten Informatiker-Logik von 0 und 1, ist ihm außer einem erfolglosen Entschlüsselungsversuch nichts weiter gelungen. Da keine Lösung gefunden wurde, folgt er seiner Logik weiter und definiert als Ergebnis, dass es ein Scherz sein müsse. Diese Aussage ist vergleichbar mit der Ausführung von Herrn Schmeh.

Fakt ist, dass dieser Code, der dem Voynich Manuskript zu Grunde liegt, ganz speziell entwickelt wurde. Zu einer Zeit, als es keine Computer gab und es alleine dem Intellekt des Erfinders zuzuschreiben ist, dass dieses System entstanden ist. Meiner Meinung nach sind hier sogar mehrere brillante Denker aus mehreren Ländern am Werk gewesen.

Um das Manuskript lösen zu können, benötigt man keine Statistiken, keine bekannten Verschlüsselungstechniken, sondern schlicht und einfach die Begabung, genauso denken zu können wie der/die Erfinder. Man benötigt Kreativität und den Sinn, unkonventionell zu denken. Entweder man besitzt diese Begabung oder man besitzt sie nicht!

Die bisherigen Versuche der Entschlüsselung sind allesamt in ihrem Ansatz trivial und damit Schmalspur-Kryptologie. Sie werden nie zum Erfolg führen. Darüber habe ich auf meiner Webseite aber bereits einiges geschrieben.

Übrigens waren diese Erfinder keine Wissenschaftler, sondern es war nur eine elitäre Gruppe von kreativen Köpfen. Und Kreativität kann man an keiner Ausbildung festmachen. Es ist kleingeistig zu meinen, dass nur ein Wissenschaftler in der Lage sei, solch ein Werk zu übersetzen.

Interessant ist Ihre Ausführung zu der Arbeit von Talbert und Tucker
„Die beiden Forscher, so hieß es, hätten alles ausgeblendet, was nicht zu ihrer These passe. Sie hätten nicht einmal untersucht, ob die statistische Häufigkeit von Buchstaben und Wörtern im Manuskript mit der Sprache der Azteken übereinstimme.“

Erstens ist diese Arbeit von Talbert und Tucker in ihrer Konsistenz exzellent ausgearbeitet, nur mit Nahuatl als Sprache, irren auch diese Herren. Aber sie haben sich bemüht, an der Basis zu bleiben und immerhin erreichen die beiden Forscher eine räumliche Übereinstimmung mit den Analyseergebnissen der Farb-Pigmente des Voynich Manuskripts. Die Minerale Boleit und Atacamit kommen eben nicht überall vor.

Im Gegensatz dazu blendet Herr Prof. Bax diese Analyseergebnisse der Farb-Pigmente in der Tinte völlig aus und folgt seinem Ansatz stur weiter.

Wer arbeitet hier nun unsauber und verdreht die Wahrheiten?

Wer hier wieder mit dem Schlachtruf „Statistik“ ins Feld zieht, bewegt sich nur an der Oberfläche und wird nie tiefer in die Materie des Voynich-Manuskripts einsteigen können.

Letztendlich ist es mir mittlerweile egal, was auf diesem „Übersetzungsschlachtfeld“ vor sich geht, da ich die Lösung besitze und weiß, wer das Manuskript verfasst hat. Ich stecke meine Zeit lieber in den Fortgang der weiteren Übersetzung.

Mit freundlichen Grüßen


Jutta Kellner