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Das Voynich Manuskript - Protoromanisch?


20. Mai 2019

Protoromanisch?

Langsam wird die ganze Angelegenheit einfallslos. Wieder eine Meldung, die durch den digitalen Blätterwald rauscht und dadurch Gott sei Dank kein Papier verschwendet. Es wäre wirklich zu schade um das vergeudete Papier und wäre dieses auf Pergament geschrieben worden, wäre es eine Heidenarbeit für Denjenigen, der das Geschreibsel wieder hätte abkratzen müssen.

Wenn Herr Cheshire seit 2017 bis heute drei Veröffentlichungen geschrieben hat - um seine vermeintliche Wichtigkeit zu untermauern – und dabei zu keinem respektablen Ergebnis kommt als den üblichem wissenschaftlichen Mystizismus, der immer dann in Erscheinung tritt, wenn keine logischen Schlussfolgerungen gezogen werden können, dann ist es um die Wissenschaft wahrlich noch schlimmer bestellt als gedacht.

Es wird uns das mystische Bild der „Nonnen im Kloster auf der Insel Ischia“ präsentiert und nur einem Mann können die Bilder der „Röhren“ und der „nackten Frauen“ anscheinend suggerieren, dass es sich hier um einen Text „von Frauen für Frauen“ handeln muss.

Cheshire stellt sich selbst als einfallsreich und analytisch denkender Romanist dar, der hier doch zu einer Beweisführung absoluter Unfähigkeit angetreten ist.

Einfallsreich stimmt sogar, sonst hätte man sich die Geschichte über die Nonnen auf der Insel Ischia nicht einfallen lassen können, geschweige denn die Zuordnung der 9er-Sequenz auf Seite 86v des VM als Vulkanausbrüche erklären können.

Und analytisch?

Wieso wurde keine Analyse der bisherigen sprachlichen Ansätze durchgeführt, um aus diesem bestehenden Unvermögen der Vorgänger - durch gedankliche Abstraktion - neue Schlüsse zu ziehen, die einen neuen Entschlüssungsansatz auf einer gedanklich höheren Stufe des Verstandes hätte entstehen lassen können?

Nein, hier ist Cheshire nichts anderes eingefallen, als wieder einen 08/15-Ansatz mit einer „unbekannten“ alten Sprache, dem Protoromanisch, zu füllen. Es ist also nichts Anderes geschehen als bei sämtlichen bisherigen Ansätzen zuvor, die ominöses Kauderwelsch produzierten, das erst durch eingebende Interpretation zu „sinnvollen“ Texten verklärt wurde.

Es ist erfrischend zu sehen, dass sich die Universität Bristol von den Aussagen ihres Mitarbeiters distanziert hat.



Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/raetsel-des-voynich-manuskripts-ist-noch-nicht-geloest